Adipositas: Portionsgrößen mit politischem Druck reduzieren?

vom: Veröffentlicht in Adipositas

Seit den 80ern wurden die Portionsgrößen von Softdrinks, Fast Food oder abgepackten Lebensmitteln immer größer. Unter der Verheißung, ‚mehr‘ für sein Geld zu bekommen, nahmen nicht die Menschen immer mehr zu, sodass wir in den westlichen Gesellschaften Adipositas inzwischen als Volkskrankheit akzeptieren müssen.

Auch die Wahrnehmung, was als normale Portion angesehen wird, hat sich dadurch verändert. Der Anreiz zum Sparen wird intelligent mit psychologischen Reizsystemen wie Hinweis- oder Auslöse-Reize verknüpft. Eine win-win-Situation? Mitnichten. Die Menschen werden dicker und kranker, die Krankensysteme benötigen immer mehr Geld, um die Begleiterkrankungen aufzuhalten.

Wer tatsächlich gewinnt, ist die Industrie, die uns mit ihren Reizen überflutet, überfordert und zum konsumieren anregt.

Vor etlichen Jahren hat bereits die Stadt New York politisch in die Spirale der immer größer ausfallenden Portionen eingegriffen und hat diese stadtweit verboten.

Offenbar führt der Weg zurück zu ’normalen‘ Portionsgrößen nur über politische Entscheidungen, worauf die Industrie zu reagieren hat. Hätte sie doch jahrzehntelang die Möglichkeit gehabt, die Reduzierung eigenverantwortlich vorzunehmen – und hat es nicht getan.

Dass sich zumindest dahingehend etwas tut, zeigt nun die Entscheidung der britischen Gesundheitsbehörde, Hersteller von Fertiggerichten und Take-Away-Food politisch dazu zu zwingen, den Kaloriengehalt ihrer Speisen um ein Fünftel zu reduzieren oder diese in kleineren Portionen zu verkaufen. In 13 Produktgruppen muss nun in Großbritannien der Kaloriengehalt um 20 Prozent gesenkt werden.

Zuerst wird dazu aber keine Gesetzgebung bemüht. Die britische Gesundheitsbehörde setzt auf die Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Branche, die sich im Übrigen kooperativ geben.

Klar, denn die britische Gesundheitsbehörde wird unkooperative Unternehmen öffentlich bekannt machen. Dies wäre ein Marketing-Desaster.

Für den bereits jetzt vorhandenen Anteil Adipöser in den westlichen Gesellschaften kommen diese Maßnahmen – wie stets – zu spät und zu sehr am Wohl der Industrie orientiert – zu wenig am Wohl des Menschen.