Frustessen: Im Kindesalter stellen sich die Weichen

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Eine EU-finanzierte Langzeitstudie zeigt, was wir längst schon wussten: Schon Kinder essen aus Frust.

In den letzten 10 Jahren haben Wissenschaftler europaweit mehr als 16.000 Kinder und deren Familien beobachtet. Die Ergebnisse der Langzeitstudie wurden am 8. Februar 2017 auf der I.Family Study Final Conference vorgestellt. Danach entscheiden Schlaf, Psyche und Bildungsniveau, aber auch Werbung und soziales Umfeld bereits bei Kindern über Normal- oder Übergewicht. Seit Jahren steigen die Zahlen adipöser Kinder und Jugendlicher europaweit bedenklich an. Die Studie zeigt nun Gründe auf.

  • Kinder essen – ebenso wie Erwachsene – zu energiedicht: 3 Äpfel haben dieselbe Energiedichte wie 25 Gramm Pommes Frites.
  • Kinder übernehmen die Ernährungsgewohnheiten der Eltern: Essen die Eltern bereits schon zucker- und fetthaltiger, tun dies die Kinder ebenfalls.
  • Kinder orientieren sich an den falschen Ernährungsgewohnheiten ihres sozialen Umfeldes: Leider orientieren sich Kinder nur an den schlechten Ernährungsgewohnheiten ihrer Freunde. Ernähren sich diese gesund, übernehmen Kinder die gesunde Ernährungsgewohnheit nicht.
  • Kinder fallen auf Fernsehwerbung herein: Kinder sind desto übergewichtiger, je mehr sie während der Mahlzeiten fernsehen, einen eigenen Fernseher in ihrem Raum haben und/oder mehr als eine Stunde täglich fernsehen. Kinder, die Fernsehwerbung sehen, essen häufiger fett- und zuckerhaltige Lebensmittel.
  • Kinder essen aus Frust: Der Teufelskreis beginnt früh. Probleme werden auch bei Kindern schon mit übermäßiger Aufnahme fett- und zuckerhaltiger Nahrung gelöst. Bereits übergewichtige Kinder essen dann auch aufgrund ihres mangelnden Selbstwertgefühls, emotionaler Schwankungen und wiederum wegen Problemen mit Familie und Gleichaltrigen.
  • Kinder schlafen zu wenig: Schon im Grundschulalter schlafen Kinder offenbar viel zu wenig. Dies steigert das Risiko von Übergewicht, da sich Schlaf auf appetitanregende Hormone und damit auf den Stoffwechsel auswirkt.
  • Kinder bewegen sich zu wenig: 60 Prozent der 14- bis 16-Jährigen verbringen ihre Zeit sitzend. Hier rächen sich fehlende Infrastrukturmaßnahmen, der Ausfall von Sportunterricht und die Medialisierung bis hinein ins Kinderzimmer.

Was uns Erwachsenen schon schwer fällt, ist für Eltern umso schwieriger. Um zu verhindern, dass ihre Kinder übergewichtig werden, müssen sie sehr aufmerksam und viel strikter sein und sich eine Menge Wissen aneignen.

Andererseits muss u. auch die Gesellschaft umdenken. Dort, wo ein fettiger Burger 1 Euro und ein Salat 5 Euro kostet, fällt es nur sehr reflektierten Menschen leicht, das richtige zu wählen.

Beate Hensel

Quelle: www.ifamilystudy.eu