Ernährungsumstellung

Regierungen können leichter gestürzt werden als eingefahrene Essgewohnheiten.*

Bevor Sie in Ihr neues Leben starten, sollten Sie sich auf grundständige Umstellungen in Ihren Ernährungsgewohnheiten einrichten und darauf, einige vertraute Verhaltensweisen abzulegen.

Ihr Magen kann nach der Operation die Temperatur Ihrer Nahrung bzw. Getränke nicht mehr ausgleichen, Sie sollten daher stets darauf achten, dass Sie nicht zu heiß oder zu kalt (Getränke aus dem Kühlschrank oder mit Eiswürfeln) essen oder trinken. Eiscreme sollten Sie bspw. aufgrund des hohen Fettgehaltes ohnehin meiden, wenn Sie es aber naschen wollen, dann sollten Sie es lange im Mund erwärmen, bevor Sie es runterschlucken.

Die Eiweißphase vor der OP

Einige Wochen vor Ihrer Operation werden Sie mit einer sog. Eiweißphase beginnen. Dies hat mehrere Gründe.

(1) Sie sollen bereits an Gewicht verlieren. Ihre Leber wird fester und kleiner. Dies erleichtert die Operation, da der Zugang zum Magen erleichtert wird.

(2) Der erste Gewichtsverlust motiviert Sie. Ihr Eiweißshake sorgt jedoch dafür, dass Sie dabei keine Muskelmasse abnehmen.

(3) Sie gewöhnen sich bereits im Vorfeld daran, dass Sie nach Ihrer OP einige Zeit nur Flüssiges und Breiiges zu sich nehmen dürfen.

In der Eiweißphase ernähren Sie sich hauptsächlich von Proteinshakes (Protein ist ein anderes Wort für Eiweiß). Proteinpulver erhalten Sie in Drogeriemärkten, in der Apotheke oder im Internethandel in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Beim Kauf sollten Sie jedoch unbedingt darauf achten, dass das Pulver mindestens 80 Prozent Protein (Eiweiß) auf 100 Gramm Proteinpulver enthält und unter 8 Gramm Kohlenhydrate oder Zucker. Einige Proteinpulver sind absolute Kalorienbomben, da sie zu viel Kohlenhydrate und Zucker enthalten, damit nehmen Sie natürlich nicht ab.

Das Pulver sollten Sie vorzugsweise mit Wasser verrühren. Sollte Ihnen das noch zu ‚lasch‘ sein, dann dürfen Sie auch fettarme (0,1 Prozent oder 1,5 Prozent) Milch verwenden.

Sie ersetzen zwei Mahlzeiten mit einem Eiweißshake und nehmen darüber hinaus eine proteinhaltige Mahlzeit am Tag zu sich. So dürfen Sie z. B. mageres Fleisch, fettarmen Fisch (Rotbarsch, Scholle, Kabeljau), Ei, Joghurt oder Quark, Tofu mit Gemüse oder Salat essen.

Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, dass Sie Ihre Mahlzeit fettfrei zubereiten und Kohlenhydrate meiden. Ungeeignet sind Obst, Nudeln, Kartoffeln, Brot oder Reis und andere Lebensmittel, die fett- und/oder kohlenhydratreich sind. Gesüßte Getränke und Obstsäfte sind ebenfalls tabu, da diese zu zuckerhaltig sind.

Denken Sie daran genügend ungesüßten Tee und/oder Wasser zu trinken. Sie nehmen bereits ab und Ihr Körper braucht Unterstützung beim Abtransportieren der gelösten Stoffe aus den Fettzellen.

Woche 1 nach Ihrer OP

In den Tagen nach der OP wird Ihnen noch im Krankenhaus Püriertes und auch schon eine erste weiche Toastbrotscheibe ohne Rinde mit Schmelzkäse angeboten. Sie werden höchstens ein paar Teelöffel bzw. 1/4 der Toastbrotscheibe schaffen. Klare Brühe oder pürierte Suppe sind ebenso möglich.

Fortan essen Sie, weil es vernünftig ist dem Körper einige Nährstoffe zur Verfügung zu stellen und nicht mehr, weil Sie Appetit oder gar Hunger verspüren! Durch die Operation wird das Hungerhormon Ghrelin ausgeschaltet und Sie werden also sehr lange Zeit keinen Hunger mehr verspüren – oder nie wieder.

Woche 2 bis 4 nach Ihrer OP

Feste Speisen sind noch immer tabu. Neben Ihrer flüssigen Ernährung ist nun Püriertes und Breiiges erlaubt wie z. B.:

  • Magerjoghurt mit Obstbrei (Babybrei)
  • püriertes weißes Fleisch, Fisch oder nicht-langfasriges Gemüse (z. B. Möhrenbrei, Kartoffelbrei)
  • weiche Eier, weicher Käse, Schmelzkäse
  • Babybrei
  • Griesbrei (ohne Zucker)
  • weiches Weißbrot ohne Rinde
  • Pudding ohne Zucker

Außerdem sollten Sie wieder Eiweißshakes trinken, damit Sie keine Muskelmasse abnehmen. Trinken Sie vorerst nur Proteinpulver mit 100 Milliliter Wasser vermischt.

Woche 4 nach Ihrer OP bis zur Normalernährung

Diese Phase verläuft sehr individuell. Beispielsweise könnten Sie lange Zeit keine Kohlensäure vertragen. Manche Patienten entwickeln Lebensmittelunverträglichkeiten, die Sie vorher nicht kannten und später auch wieder verschwinden können. In dieser ersten Zeit dürfen Sie keinerlei faserreichen Lebensmittel (z. B. Ananas, Orangen, Mandarinen, grobfasriges Fleisch, Rhabarber, Spargel usw.) zu sich nehmen, da die Gefahr, dass diese an den inneren Narben hängen bleiben und Entzündungen auslösen, viel zu groß ist. Weiterhin sollten Sie es vermeiden, Obst und Gemüse mit harter Schale und Kernen (z. B. Tomaten, Paprika, Weintrauben, Stachelbeeren, Johannisbeeren usw.) zu sich zu nehmen. Hülsenfrüchte sollten Sie ebenfalls erst einmal meiden. Vermeiden Sie auch noch einige Wochen Rohkost.

Bevorzugen Sie noch einige Wochen gedünstetes bzw. gedämpftes Gemüse vor Salat. Sobald Sie merken, dass das Gemüse gut vertragen wird, können Sie Salat probieren.

Sie können nun aber vorsichtig beginnen feste Kost zu probieren. Sie sollten weiterhin darauf achten, dass Sie 20 Minuten vor und nach dem Essen sowie während dem Essen nicht trinken. Vermeiden Sie Zuckerhaltiges und Alkohol! Durch die Verkürzung der Dünndarmpassage verschnellert sich die Alkoholaufnahme im Dünndarm und die Gefahr für eine Leberschädigung ist enorm erhöht. Außerdem enthält Alkohol sehr viele Kalorien.

Sie sollten darauf achten, nur kurzfasriges Fleisch (Huhn, Pute) zu sich zu nehmen. Außerdem sollten Sie weiterhin stets langsam essen und gut kauen. Vermeiden Sie Dumpings, indem Sie die untenstehenden Hinweise beachten.

Ab der 6. Woche ist es wieder möglich, Reis, Couscous, Ebly und Nudeln (im Übrigen gibt es Low Carb Pasta!) zu essen. Diese sollten Sie gut quellen lassen. Grundsätzlich sollten Sie alle quellenden Nahrungsmittel vor der Aufnahme gut ausquellen lassen, damit sie im Magen-Darm-Trakt nicht mehr nachquellen können.

Trinken Sie nun Eiweißshakes mit 200 – 250 Milliliter Wasser angerührt. Dies verhindert, dass Sie Muskeln abbauen. Im Übrigen benötigt der Körper ca. 50 – 60 Gramm Nahrungseiweiß täglich, um den Erhalt der Muskelmasse zu gewährleisten.

Normalernährung

Vermeiden Sie weiterhin Getränke mit Kohlensäure und/oder Zuckergehalt. Sie sollten so wenig wie möglich Fette, Öle, Mayonnaisen und Ähnliches für Ihre Ernährung nutzen.

Zitrusfrüchte wie Orangen, Mandarinen und Grapefruit sollten Sie weiterhin nur gekocht zu sich nehmen. Diese können weiterhin zusammenklumpen, sich zu Cellulosepfropfen formen und einen Darmverschluss bewirken.

Ernähren Sie sich stets ausgewogen!

Ungeeignete Lebensmittel für die Normalernährung:

  • Brot/Backwaren: fettreiches Gebäck oder Kuchen, grobe Kornbrote, frische Brote
  • Fette/Öle: große Mengen Streichfett
  • Fisch: fetter Fisch wie Aal, Räucherfisch, Fisch in Sauce oder in Öl
  • Fleisch/Wurst: fettes Fleisch mit Haut, Hackfleisch vom Schwein, Salami, Streichwurst, Bratwurst, Wiener Würstchen
  • Gemüse: stark blähendes Gemüse, faserreiches Gemüse
  • Obst: Ananas, Mandarinen, Orangen, Rhabarber, faserreiche unreife Früchte
  • Getränke: zuckerhaltige Getränke wie Wasser mit Geschmack, Säfte, Limonaden
  • Gewürze: Zwiebeln, Knoblauch, Chili
  • Milch/Milchprodukte: fettreiche Milchprodukte, Sahnejoghurt, Sahnequark, süßte und saure Sahne, Käsesorten über 30 Prozent Fettanteil, Fruchtjoghurt
  • Kartoffeln: fettreiche Zubereitung wie Pommes Frites, Bratkartoffeln, Klöße, Kartoffelpuffer, Kroketten
  • Nüsse: größere Mengen sind ungeeignet
  • Süßungsmittel/Süßwaren: größere Mengen (über 20 Gramm tgl.) Zucker, Honig, Fruchtzucker, Traubenzucker, Süßstoff, Nuss-Nougat-Creme, Schokolade, Gummibärchen, Bonbons, Eiscreme

Ändern Sie Ihr Trinkverhalten!

Sie sollten stets ausreichend trinken. Ihr Körper hat nun einiges zu tun, er ist mit dem Gewichtsverlust belastet. Unterstützen Sie Ihren Kreislauf und Ihren Körper, indem Sie mindestens 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken. Für einige Monate erfordert das erheblichen logistischen Aufwand, denn Sie dürfen 20 Minuten vor und 20 Minuten nach und auch während dem Essen nicht trinken. Ansonsten sind Sie bereits vom Trinken satt.

Außerdem können Sie einige Zeit lang nur schluckweise trinken. Die möglichen Trinkmengen erhöhen sich jedoch im Laufe der Zeit.

Sollten Sie in der ersten Zeit einige Getränke nicht vertragen, keine Sorge, wenn Sie einige Zeit vergehen lassen, werden Sie das Getränk wieder trinken können.

Notwendige Nahrungsergänzung

Nach einer bariatrischen Operation müssen Sie sich ggf. auf eine lebenslang notwendig gewordene Nahrungsergänzung einstellen. Lesen Sie dazu den Abschnitt Bariatrische Operationen.

Citrat! – kein Carbonat

Einen Magnesiummangel bemerken Sie beispielsweise an Muskelschmerzen, einen Calciummangel daran, dass Sie Haarausfall, Durchfall, Herzrhythmusstörungen oder Sehverschlechterungen haben. Sollten Sie daher Magnesium und/oder Calcium ersetzen müssen, sollten Sie darauf achten, dass Sie Präparate kaufen, die Magnesiumcitrat und/oder Calciumcitrat enthalten. Citrat ist das Salz der Zitronensäure und kann vom Körper viel schneller aufgenommen werden als andere Magnesiumverbindungen. Das Citrat hilft sogar bei der Vorbeugung von Nierensteinen. Carbonat, das Salz der Kohlensäure, hat dagegen eine Retard-Wirkung, die Ihnen auch bei Depot-Tabletten nicht empfohlen wird.

Kostengünstige Brausetabletten sind nicht empfehlenswert, da Ihr Körper diese leider nicht mehr verarbeiten kann. Magnesium sollten Sie grundsätzlich vor dem Schlafengehen einnehmen, dann kann Ihr Körper es besser verarbeiten.

Nahrungsergänzungen beim Magenbypass

Mit einem Magenbypass sollten Sie sich auf lebenslange Nahrungsergänzung einstellen.

Viele Patienten schwören auf ‚Fit For Me‘-Kapseln, die alle täglich benötigten Vitamine und Mineralstoffe in nur einer Kapsel enthalten. Die Kapseln sind speziell auf die Bedürfnisse von Magenbypass-Operierte zugeschnitten. So besteht z. B. die Kapselhülle aus einem schnelllöslichen Stoff. Im Gegensatz zu anderen Kapseln kann sie dadurch ihre Inhaltsstoffe zügig freigeben. Die Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen sind tlw. um mehrere hundert oder tausend Prozent erhöht (z. B. Vitamin B12 ist mit 14000 Prozent der empfohlenen Tagesmenge enthalten), sodass der Körper die Gelegenheit erhält, die Nährstoffe auf jeden Fall aufzunehmen.

Bitte beachten Sie, dass Sie die Kapseln nicht nüchtern einnehmen. Dies führt größtenteils zu Bauchschmerzen. Sie können die Kapseln auch öffnen und deren Inhalt in Joghurt oder Wasser einrühren.

Sollten Sie nicht auf diese Kapseln zurückgreifen wollen, dann benötigen Sie folgende Ersatzpräparate:

  • Multivitaminpräparat: mindestens 100 Prozent des Tagesbedarfs als Kautablette oder schnell wirkendes Granulat (Depot-Tabletten mit Retard-Wirkung sind nicht empfehlenswert)
  • Calcium: 1000 Milligramm pro Tag (1 – 2 mal tgl.), zusammen mit Vitamin D3 als Kautablette (Vitamin D3 wird zur Calciumaufnahme dringend benötigt)
  • Vitamin B12: alle 4 – 6 Wochen als Spritze vom Hausarzt
  • Eiweiß: tgl. 2 – 3 Esslöffel Eiweißpulver (Zur Zusammensetzung siehe Erläuterungen im Absatz „Die Eiweißphase vor der OP“)
  • abhängig von den aktuellen Laborwerten: Eisen 50 – 100 Milligramm pro Tag, zusammen mit Vitamin C und/oder Folsäure 400 Mikrogramm pro Tag

Nahrungsergänzungen beim Schlauchmagen

Schlauchmagen-Operierte benötigen nur in den ersten beiden Jahren vorsorglich Nahrungsergänzungsmittel. Diese nehmen Sie in Absprache mit Ihren Ärzten und/oder Ernährungsberatern und in Abstimmung auf Ihre aktuellen Laborwerte ein.

Auch für Schlauchmagen-Operierte gibt es ‚Fit For Me‘-Kapseln, die alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe in nur einer Kapsel enthalten. Die Kapseln sind speziell auf die Bedürfnisse von Schlauchmagen-Operierte zugeschnitten. So besteht z. B. die Kapselhülle aus einem schnelllöslichen Stoff. Im Gegensatz zu anderen Kapseln kann sie dadurch ihre Inhaltsstoffe zügig freigeben. Die Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen sind tlw. um mehrere hundert Prozent erhöht, sodass der Körper die Gelegenheit erhält, die Nährstoffe auf jeden Fall aufzunehmen.

Bitte beachten Sie, dass Sie die Kapseln nicht nüchtern nehmen. Dies führt größtenteils zu Bauchschmerzen.

Sollten Sie nicht auf diese Kapseln zurückgreifen wollen, dann benötigen Sie andere Ersatzpräparate. Diese sollten Sie unter Berücksichtigung Ihrer aktuellen Laborwerte und in Absprache mit Ihren Ärzten individuell zusammenstellen.

Süßungsmittel und zuckerfreier Sirup

Auf Süßstoff sollten Sie grundsätzlich für längere Zeit oder gar für immer verzichten. Einige Wochen nach der Operation dürfen Sie sowieso keine Süßungsmittel verwenden. Später sollten Sie gut überlegen, ob Sie ihre nun stark zuckerreduzierte Ernährung mit unnötigen Süßungsmitteln torpedieren möchten. Denn Ihre Geschmacksknospen haben sich nun an Nicht-Süßes gewöhnt und Sie verspüren auch deshalb sehr viel weniger Appetit auf Schokolade und Co. Mit Süßungsmitteln gewöhnen Sie die Geschmacksknospen wieder an Süßes und sofort haben Sie wieder Appetit darauf! Süßstoffe gelten als appetitanregend, sodass Sie generell lieber darauf verzichten sollten.

Süßen Sie bitte eher mit wenig Honig oder Obst bzw. Obstbrei.

Darüber hinaus können Süßungsmittel schmerzhafte Blähungen und andere Symptome auslösen.

Sie sollten möglichst viel trinken. Von Wasser und ungesüßten Tees mag man nach einiger Zeit die Nase voll haben. Und Wasser mit Honig gesüßt trinken, was beim Tee ja immerhin noch angenehm sein mag? Schmeckt nicht, oder? Es gibt im Handel etliche zuckerfreie Sirups, z. B. von Soda Stream und Monin. Sie können aber auch auf sog. ‚Flavour Drops‘ zurückgreifen, die im Internet erhältlich sind und eine Art zuckerfreies Aroma in Getränke und Speisen bringen. Damit könnten Sie Ihr Wasser auch mit Käsekuchen-Aroma trinken – wenn Sie es denn mögen.

Mögliche Komplikationen nach einer Magenbypass-Operation

Einige Patienten entwickeln vorübergehend Lebensmittel- oder Laktoseintoleranzen.

Wenn Sie an Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit oder Durchfall leiden, könnte dies an einer Laktoseintoleranz liegen. Vermeiden Sie daher Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Pudding, Sauerrahm, alle Arten von Käse (außer Schnitt- und Hartkäse), Quark, Molke und ersetzen Sie diese durch Sojaprodukte und laktosefreie Milchprodukte. Insoweit Ihre Beschwerden dann verschwinden, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass Sie vorübergehend an einer Laktoseintoleranz leiden.

Wenn Sie unaufmerksam zu schnell oder zu viel gegessen oder zu viele ‚einfache‘ Kohlenhydrate wie Zucker, Honig, Säfte, Süßigkeiten usw. zu sich genommen haben, dann kann es zu sog. Früh- bzw. Spätdumpings kommen.

Das Frühdumping

Das Frühdumping-Syndrom kann gleich nach dem Essen auftreten. Der Körper versucht durch eine sog. Sturzentleerung in den Dünndarm ‚einfache‘ Kohlenhydrate zu verarbeiten, d. h. er versucht durch das Einströmen von Wasser in den Dünndarm die fehlenden Verdauungsenzyme zu ersetzen und damit die hohe Zuckerkonzentration auszugleichen. Dem Kreislauf wird somit notwendiges Wasser entzogen und es treten folgende körperliche Symptome auf: Durchfall, Schweißausbruch, Herzrasen, Zittern, Bauchschmerzen, Kreislaufkollaps.

Sofortige Gegenmaßnahmen:

  • 1/2 Stunde flach hinlegen und ausruhen
  • Proteinhaltiges in kleinen Portionen essen (z. B. Quark, Naturjoghurt)
  • mind. 1/2 Liter schluckweise ungesüßten Tee oder Wasser trinken, um zu rehydrieren

Das Spätdumping

Die schnelle Aufnahme ‚einfacher‘ Kohlenhydrate in das Blut kann ein Spätdumping-Syndrom auslösen. Diese starke Blutzuckererhöhung provoziert als Gegenreaktion die vermehrte Ausschüttung von Insulin. Während dadurch der Blutzuckerspiegel extrem schnell wieder sinkt, kommt es 1 -3 Stunden nach dem Essen zu einer Unterzuckerung mit folgenden möglichen körperlichen Symptomen: Schweißausbruch, Sehstörungen, Herzrasen, Zittern, Unruhe, schneller Puls, Heißhunger, Kopfschmerzen, allgemeines Schwächegefühl.

Sofortige Gegenmaßnahmen:

  • Glukosepräparate wie z. B. Jubin nehmen
  • Protein-  und Zuckerhaltiges in kleinen Portionen essen (z. B. Quark mit Honig, Naturjoghurt mit Obstbrei oder Obst, 1/2 Scheibe Mischbrot mit Honig)
  • KEIN TRAUBENZUCKER!

Wenn die Symptome nach 20 Minuten nicht besser sind, essen Sie noch einen Joghurt.

Wie sollten Sie sich verhalten, um Dumpings zu vermeiden?

Sie sollten grundsätzlich darauf achten, kleinere Portionen und vorwiegend viel langsamer zu essen. Damit bemerken Sie auch, wann Sie satt sind. Kauen Sie gut! In der ersten Zeit nach Ihrer Operation sollten Sie sich nach dem Essen etwas hinlegen.

Oftmals hilft es schon, fünfmal statt dreimal täglich zu essen und damit kleinere Portionen zu sich zu nehmen.

Auch das Trinken während der Mahlzeiten zu unterlassen kann Dumpings verhindern.

Meiden Sie Zuckerhaltiges wie gesüßte Getränke (vor allem Säfte!), Haushaltszucker, Kekse, Bonbons und puren Honig sowie andere Süßigkeiten. Ernähren Sie sich stattdessen vorwiegend protein- und ballaststoffreich, also durch langkettige Kohlenhydrate wie z. B. Vollkorn, Kartoffeln, Gemüse, Salat.

Genießen Sie Ihren Eiweißshake mit Wasser anstatt mit Milch.

 


* Nach Mayr, Peter et al.: Die Kohlenhydrat-Lüge: Was an den gängigen Ernährungslehren falsch ist, 2011, S. 12.

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