Das Märchen von der 20-Minuten-Regel

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Oft hört man davon, dass man nach bariatrischen Operationen testen könne, ob der operierte Magen Wirkstoffe aus Tabletten oder Kapseln aufnehmen könne, indem man eine entsprechende Tablette oder Kapsel in ein Glas Wasser gibt und wenn sich die Substanz nach 20 Minuten nicht aufgelöst hat, könne der operierte Magen den Wirkstoff nicht aufnehmen.

Was ist an dieser Annahme grundsätzlich falsch?

Erstens kann man einen Test in Leitungswasser nicht mit dem Milieu im Magen gleichsetzen.

Zweitens gibt es Wirkstoffe in magensaftresistenten Tabletten und Kapseln (Ausnahme: die speziell entwickelte Kapsel von Nahrungsergänzungsmitteln für bariatrisch Operierte), die erst im Darm freigesetzt werden. Da sich der PH-Wert des Magens nach einer bariatrischen Operation verändert, können diese Wirkstoffe allerdings schon im Magen freigesetzt werden, wonach es zu einem Magengeschwür kommen kann. Daher sollte man sich an der Auflistung von Tabletten im Nachsorgepass orientieren, die man nicht mehr zu sich nehmen sollte. Grundsätzlich ist  es empfehlenswert, Medikamente in flüssiger Form oder als Granulat zu sich zu nehmen.

Auch auf Retard-Medikamente sollten Sie verzichten. Nach einer bariatrischen Operation wird ein Großteil des Medikamentes ausgeschieden – es erfolgt demnach nur eine sehr geringe Aufnahme des Wirkstoffes, der eigentlich über den Tag langsam und gleichmäßig abgegeben werden soll. Sollten Sie entscheiden, Retard-Medikamente zu zerkleinern, damit sie besser aufgenommen werden können… dabei wird sogleich die gesamte Wirkstoffmenge freigesetzt und es kann zur Überdosierung mit entsprechenden Symptomen kommen.