Bariatrische Operation

Es gibt zwei unterschiedliche Operationsverfahren: restriktiv und restriktiv-malabsorptiv. Restriktive Verfahren bewirken eine Reduktion der Menge der Nahrungsaufnahme. Restriktiv-malabsorptive Verfahren hingegen bewirken – neben der Reduktion der Menge der Nahrungsaufnahme – auch eine Malabsorption (verminderte Nährstoffaufnahme) der aufgenommenen Nahrung.

Am Berliner Adipositaszentrum an den DRK Kliniken Berlin | Köpenick werden die Operationsverfahren ‚Roux-Y-Magenbypass‘ (restriktiv-malabsorptiv), ‚Schlauchmagen‘ (restriktiv) und in seltenen Fällen auch ‚Magenband‘ (restriktiv) genutzt.

Die Operationen werden minimalinvasiv (bzw. laparoskopisch) durchgeführt.

Der Roux-Y-Magenbypass

Bei diesem Verfahren wird ein sog. Magenpouch angelegt, ein kleiner Restmagen, der vom übrigen Magen vollständig abgetrennt wird. Der Magenpouch hat ein Fassungsvermögen von etwa 15 – 40 ml. Der Dünndarm wird unterhalb des Zwölffingerdarms durchtrennt und mit dem Magenpouch verbunden. Sekrete der Bauchspeicheldrüse und Gallenflüssigkeit aus dem Zwölffingerdarm werden in einen weiter unten liegenden Darmabschnitt geleitet, erst hier findet dann die Verdauung statt.

Die Nahrungsaufnahme im kleinen Restmagen wird reduziert und die Verwertungsstrecke für die aufgenommene Nahrung eingeschränkt. Schnelles Abnehmen wird somit auch durch die Absenkung der Nährstoffaufnahme ermöglicht.

Die Nahrungspassage durch den Zwölffingerdarm und den ersten Dünndarmabschnitt wird komplett ausgeschaltet. Gewöhnlich findet hier jedoch die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen, Calcium, von Eisen und Spurenelementen statt. Daher müssen sich Magenbypass-Operierte  auf eine lebenslange Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln einstellen. Da das Hungerhormon Ghrelin durch die Operation ausgeschaltet wird, verringert sich das Hungergefühl drastisch.

Die Operation dauert ca. 1,5 bis 2 Stunden. Anschließend werden Sie engmaschig überwacht und verbleiben ca. eine Woche im Krankenhaus. Sie dürfen 4 – 6 Wochen nicht schwer heben oder anstrengenden Sport treiben.

Mit einem Magenbypass können nach zwei Jahren ca. 65 – 90 Prozent des Übergewichts abgenommen werden, wobei in den ersten 6 Monaten bereits ca. 60 Prozent abgebaut werden können. Lediglich bei unter 10 Prozent der Patienten kann unter 50 Prozent des Übergewichts abgebaut werden, hier spricht man von einem Therapieversagen.

Mögliche post-operative Komplikationen

Bei unter 10 Prozent der Magenbypass-Operierten entstehen post-operative Komplikationen wie Darmeinengung durch starke Narbenbildung, Geschwürbildung, Thrombosen, Herz-Kreislauf-Probleme, Gallensteine oder Magenblutungen. Bei etwa 2 Prozent der Operierten können Klammerungen platzen. Nahrungsmittelunverträglichkeiten können entstehen, die aber oftmals nur vorrübergehend sind. Sie sollten Ihren post-operativen Nachsorgeplan daher ernst nehmen.

Durch die starke Gewichtsabnahme neigen ca. 1/4 der Patienten post-operativ zur Bildung von Gallensteinen. Wenn Sie starke Schmerzen im rechten Oberbauch bekommen, sollten Sie sofort zum Arzt. Wenn Sie in den ersten 6 Monaten nach der Operation 500 Milligramm Ursodesoxycholsäure zu sich nehmen, lässt sich dieses Risiko stark verringern.

In der Anfangsphase kann es zu Obstipationen (Verstopfung) kommen, da Sie ja nur noch geringe Mengen Nahrung zu sich nehmen und sich der Darm nach der Operation noch umstellen muss. Aber der 6. post-operativen Woche sollten Sie daher mindestens 2 Liter kalorienfreie Getränke und Joghurt mit etwas Weizenkleie zu sich nehmen. Ausnahmsweise können Sie auch zu Zäpfchen greifen.

Vorteile eines Magenbypasses

Folgende Erkrankungen können durch eine Magenbypass-Operation reduziert oder ganz eliminiert werden:

  • Diabetes (bei 85 Prozent)
  • Bluthochdruck (bei 80 Prozent)
  • Schlafapnoe (bei 80 Prozent)
  • Hyperlipidämie (bei 96 Prozent)
  • Reflux (100 Prozent)

Insoweit Sie an Diabetes leiden, wird vorzugsweise ein Magenbypass als Operationsmethode vorgeschlagen, da die Erfolgsrate, Diabetes zu reduzieren, wesentlich höher liegt als bei einer Schlauchmagen-Operation.

Nachteile eines Magenbypasses

  • Dumpings
  • Folgeerscheinungen durch Nährstoffmangel wie z. B. Haarausfall, trockene Haut
  • Folgeerscheinungen während schneller Gewichtsreduktion: Kälteempfinden, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Schwächegefühl, Schmerzen, Blähungen, Obstipation oder Diarrhoe
  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Alkohol, der schneller in die Leber gelangt und daher eine Leberschädigung ermöglicht
  • Gastroskopie des Zwölffingerdarms und des Restmagens nicht mehr möglich

Nicht-Verträglichkeit von Medikamenten

Mit einem Magenbypass dürfen oder können Sie einige Medikamente (sog. NSAR) nicht mehr nutzen, Sie sollten diese durch andere Präparate ersetzen. Der Grund hierfür ist einerseits, dass einige Medikamente wie z. B. Ibuprofen den Magen schädigen oder Darmperforationen verursachen und andererseits, dass einige Medikamente eine erhöhte oder gar keine Wirkung mehr haben. Bevor Sie nach einer Magenbypass-Operation Medikamente einnehmen, sollten Sie sich bei Ihrem Arzt, Ihrem Apotheker oder dem Hersteller des Präparates darüber informieren, ob dieses unbedenklich für Sie oder in der Wirkung eingeschränkt ist.

Nicht mehr erlaubt sind z. B.:

  • Diclofenac / Voltaren
  • Aspirin
  • Ibuprofen
  • Arcoxia
  • Indometacin
  • Dobendan
  • Wick Medinait und ähnliche Produkte
  • … (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

Erlaub sind z. B.:

  • Paracetamol / Novaminsulfon
  • Sab Simplex
  • Novalgin
  • Tramal
  • Valoron
  • Buscopan
  • Iscover
  • MCP
  • L-Thyroxin (ggf. Dosis angleichen lassen)
  • Ramipril (ggf. Dosis angleichen lassen)
  • … (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

Schwangerschaftsverhütungsmittel wie die sog. Pille können in ihrer Wirkung eingeschränkt sein. Die Hersteller geben bei Patientinnen mit einem Magenbypass keine Garantie für die verhütende Wirkung der Pille. Studien dazu gibt es noch nicht.

Des Weiteren sollten Frauen, die vor der OP auf eine sog. Drei-Monats-Spritze umstellen, beachten, dass mindestens 6 Wochen nach erstmaliger Gabe der Drei-Monats-Spritze lt. Herstellern keine OP durchgeführt werden darf.

Der Schlauchmagen

Bei diesem Verfahren wird ein Teil des Magens entfernt, sodass nur ein schlauchförmiger Magen übrig bleibt. Die Verbindung zwischen Magen und Darm bleibt im Wesentlichen unversehrt. Das Magenvolumen verringert sich auf ca. 120 ml. Da die Nahrungspassage durch die Operation unverändert bleibt, müssen in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Im Berliner Adipositaszentrum achtet man jedoch darauf, dass auch Schlauchmagen-Operierte vorsorglich in den ersten 1 bis 2 Jahren Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Auch bei dieser Operation wird das Hungerhormon Ghrelin ausgeschaltet.

Die Operation dauert ca. 2 Stunden. Anschließend werden Sie engmaschig überwacht und müssen ca. eine Woche im Krankenhaus verbleiben. Sie dürfen 4 – 6 Wochen nicht schwer heben oder anstrengenden Sport treiben.

Die post-operativen Komplikationen sind gegenüber einer Magenbypass-Operation grundsätzlich geringer, können jedoch ebenso auftreten. Öfter als bei der Magenbypass-Operation tritt eine Undichtheit der Klammernaht ein.

Mit einem Schlauchmagen können nach zwei Jahren ca. 50 – 60 Prozent des Übergewichts abgenommen werden. Der Gewichtsverlust verläuft zwar langsamer, dafür jedoch konstanter. Das Risiko, dass das Gewicht wieder steigt, ist beim Schlauchmagen jedoch erhöht.

Vorteile des Schlauchmagens

Folgende Erkrankungen können durch eine Schlauchmagen-Operation reduziert oder ganz eliminiert werden:

  • Diabetes (bei 74 Prozent)
  • Bluthochdruck (bei 63 Prozent)
  • Schlafapnoe (bei 100 Prozent)

Weitere  Vorteile:

  • keine Dumpings
  • geringeres Risiko post-operativer Komplikationen
  • kein Risiko für Nährstoffdefizite, da Nahrung vollständig absorbiert (vom Körper aufgenommen) werden kann
  • Diät ist weniger restriktiv
  • Medikamente sind weiterhin verträglich und in ihrer Wirkung nicht eingeschränkt

Nachteile des Schlauchmagens

  • das Risiko, dass Sie weniger abnehmen als mit einem Magenbypass ist höher (ca. 1/3 der Operierten)
  • das Risiko, dass Sie wieder zunehmen und der Magen sich wieder dehnt, ist deutlich höher als mit einem Magenbypass
  • Folgeerscheinungen während der Gewichtsreduktion: Kälteempfinden, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Schwächegefühl, Schmerzen
  • Reflux kann erneut auftreten oder sich sogar verschlimmern

Mögliche post-operative Komplikationen

Siehe dazu die Ausführungen zu den post-operativen Komplikationen unter „Der Magenbypass“.

Das Magenband

Ein Magenband besteht aus einem Silikonring, der unterhalb des Mageneinganges um den Magen gelegt und verschlossen wird. In die Bauchdecke wird eine Füllkammer (Port genannt) eingebaut, die mit der Innenseite des Silikonringes durch einen Katheter verbunden wird. Über den Port kann der Silikonring befüllt oder entleert werden. Somit kann individuell entschieden werden, wieviel Nahrung aufgenommen werden kann.

Das Magenband wird nur noch in Ausnahmefällen am Berliner Adipositaszentrum operiert, denn die post-operativen Risiken sind unverhältnismäßig groß. Einerseits ist der Silikonring über den Zeitverlauf sehr anfällig. Er kann verrutschen oder gar in das Mageninnere gelangen. Weiterhin kann das Portsystem undicht werden oder es kann sich entzünden.

Auch dass das Therapieversagen bei dieser Operationsmethode bei 30 bis 60 Prozent liegt, ist ein weiterer Grund, ein Magenband nur in Ausnahmefällen einzusetzen. Ein solcher Ausnahmefall wäre  z. B. ein sehr sehr hohes Ausgangsgewicht. Dann wird zuerst ein Magenband operiert, damit der Patient ein Gewicht erreicht, mit dem später ein anderes Operationsverfahren durchgeführt werden kann.

Die Reduzierung adipositas-assoziierter Erkrankungen gelingt mit dieser Operationsmethode in wesentlich geringerem Maße.

Vorteile des Magenbandes

  • keine Ersatzpräparate bei der Medikation notwendig
  • keine Supplementierung mit Vitaminen und Mineralstoffen notwendig

Nachteile des Magenbandes

  • hohe Therapieversagerrate
  • hohes Risiko für erneute Gewichtszunahme
  • hohes Risiko für Komplikationen wie z. B. Erweiterung der Speiseröhre, Entzündung der Speiseröhre, Bronchitis, Silikonring verrutscht oder gelangt in den Magen